Kurzantwort: Beim Inliner-Verfahren wird ein kunstharzgetränkter Schlauch in das defekte Rohr eingezogen und dort ausgehärtet - kein Aufgraben nötig, die Leitung ist nach wenigen Stunden wieder nutzbar.
Was ist das Inliner-Verfahren?
Die grabenlose Rohrsanierung, auch Schlauchlining oder Relining genannt, ist eine Methode, bei der ein neues Rohr innerhalb des alten entsteht. Ein mit Epoxidharz oder Polyester getränkter Filzschlauch wird in die defekte Leitung eingezogen, mit Druckluft oder Wasserdruck an die Rohrwand gepresst und anschließend durch UV-Licht oder Heißdampf ausgehärtet. Das Ergebnis ist ein nahtloses Innenrohr mit einer Lebensdauer von 50 Jahren und mehr.
Wann ist Inliner sinnvoller als Rohraustausch?
- Risse und undichte Muffen: Solange die Rohre noch grob in Form sind, lässt sich der Inliner problemlos einziehen.
- Rohre unter Gebäuden oder Straßen: Aufgraben wäre enorm aufwändig - in Kassel zum Beispiel unter altem Pflaster oder Kellerwänden.
- Laufende Nutzung sichern: Geschäfte, Mehrfamilienhäuser und Bürogebäude profitieren, weil der Betrieb kaum unterbrochen wird.
- Bäume und Garten schonen: Keine Bagger, kein beschädigter Rasen oder gefällte Bäume.
Wenn das Rohr jedoch komplett eingebrochen, schwer versetzt oder durch Fremdkörper blockiert ist, bleibt der klassische Austausch oft die einzige Option.
Ablauf der Sanierung
- Kamerainspektion: Zunächst prüft eine Rohrkamera den genauen Schadensbefund und die Rohrdimension.
- Hochdruckspülung: Das Rohr wird gereinigt, damit der Schlauch sauber aufliegen kann.
- Schlauch einziehen: Der vorbereitete Liner wird von einem Einstiegspunkt aus ins Rohr geschoben oder gedrückt.
- Aushärten: UV-Licht oder Heißdampf härtet das Harz innerhalb von 30 bis 90 Minuten aus.
- Abschlusskontrolle: Eine zweite Kamerainspektion bestätigt die einwandfreie Ausführung.
Welche Rohrdurchmesser sind geeignet?
Das Verfahren funktioniert für Hausanschlüsse ab DN 80 bis hin zu großen Kanalrohren über DN 500. Für die typischen Abwasserleitungen in Kasseler Wohngebäuden (DN 100 bis DN 200) ist es gut etabliert.
Kosten im Überblick
- Hausanschlussleitungen (DN 100-150): 150 bis 300 Euro pro laufendem Meter
- Grundleitungen (DN 150-200): 200 bis 400 Euro pro Meter
- Gesamtkosten typisches Einfamilienhaus: 2.000 bis 6.000 Euro
Im Vergleich: Ein offener Rohraustausch kann durch Erdarbeiten, Wiederherstellung und Straßenöffnung leicht das Doppelte kosten.
Fördermöglichkeiten und Versicherung
Überprüfen Sie, ob Ihre Gebäudeversicherung Rohrschäden abdeckt. In manchen Fällen übernimmt sie zumindest einen Teil der Sanierungskosten. Für Kanalsanierungen auf Privatgrundstücken gibt es in Hessen teilweise Förderprogramme - fragen Sie bei der Stadt Kassel oder Ihrem Energieversorger nach.
Fazit
Das Inliner-Verfahren ist in vielen Fällen die schnellere, sauberere und letztlich günstigere Alternative zum Rohraustausch. Lassen Sie zunächst eine Kamerainspektion durchführen - erst dann lässt sich beurteilen, ob Ihr Rohr für das Relining geeignet ist.